• Carola Epple

Auf eigenen Händen stehen: was ich beim Handstand-lernen gelernt habe

Aktualisiert: Sept 24

Für diesen Sommer habe ich mir etwas ganz anderes vorgenommen: innerhalb von vier Wochen möchte ich einen Handstand können! Ich lerne gerne etwas Neues, denn das verhilft mir zu neuen Perspektiven. Zwischen meinen beiden Elternzeiten habe ich einen zweiten Studienabschluss gemacht und bin jedes Mal ganz inspiriert und voller freudiger Erwartung zu den Präsenzmodulen gefahren. Und tatsächlich habe ich in den ersten drei Wochen des Handstand-Kurses etwas wichtiges gelernt: es geht gar nicht nur um den Handstand. Bei buchstäblich allem, was wir neu beginnen gibt es Rückschläge, wertvolle Erfahrungen und Erfolgserlebnisse. Sei es eine neue Sprache, Methode oder Arbeitsweise die wir lernen, umziehen, einen neuen Berufsweg einschlagen, ein Unternehmen aufbauen oder eben einen Handstand lernen. Was ich bisher beim Handstandlernen gelernt habe, das habe ich hier zusammen gefasst.


Warum eigentlich Handstand lernen?

Mein letzter Handstand ist ein halbes Leben her: Als Schülerin war ich im Turnverein, aber seit sicher 25 Jahren habe ich keinen Handstand mehr gemacht. Und ehrlich gesagt konnte ich mir zu Beginn auch noch nicht vorstellen wie ich es absehbar schaffen sollte auf den eigenen Händen zu stehen. Gerade deshalb mache ich bei diesem Abenteuer mit. Ich möchte wissen ob ich es schaffen kann. Ich möchte ein konkretes und messbares Ziel erreichen. Den Kurs habe ich als Anlass genommen, endlich mehr Stabilität in meine Körpermitte zu bekommen. Ich weiß, dass mir das gut tut, aber "einfach so" mache ich es eben nicht. Und mir geht es auch um das Gemeinschaftserlebnis: denn ich bin mit dem Handstand-Abenteuer nicht auf eigene Faust unterwegs, sondern nehme mit über 500 anderen Handstand-Kandidaten an einem Online-Handstand-Kurs teil. Wir tauschen uns über eine Facebook-Gruppe aus und motivieren uns gegenseitig.

ohne aufwärmen kein Handstand-Training

Von 0 auf "läuft"

Das schönste daran, wenn man etwas Neues lernt: Fortschritte machen! Gerade wenn man bei 0 startet ist man ganz schnell nicht mehr bei 0. Was den Handstand angeht betrachte ich mich als Anfängerin. Denn nach so langer Handstand-Abstinenz ist da nicht mehr viel da außer " ich habe das mal irgendwie gekonnt". Von den ersten Workouts habe ich ganz schön Muskelkater bekommen: Planks und Liegestützen, Kräftigungsübungen für Schultern und Handgelenke - Kursleiterin Judith "Sympatexter" Peters bereitet uns sehr gewissenhaft darauf vor, auf eigenen Händen zu stehen. Seit ich die Workouts (ziemlich) konsequent mache, erreiche ich mit meinen Händen locker den Boden und schaffe mittlerweile 28 Knie-Liegestütze (in der ersten Woche bin ich nach der fünften zusammen geklappt) und kann die Plank eine volle Minute halten. Das erste Mal Kopf stehen fühlte sich sehr unangenehm an, dieses Gefühl wenn das Blut in den Kopf schießt😣. Aber ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt und inzwischen klappt es super! Nicht motiviert so gut wie Fortschritte zu machen auf dem Weg zu einem Ziel.


Neues lernen verleiht neue Freiheit

Was ich beim Handstand lernen noch gelernt habe: Etwas Neues zu lernen gibt neue Freiheit. Ich möchte auf eigenen Händen stehen, nicht nur um zu wissen dass ich es kann, sondern auch um an mir zu arbeiten. Einmal körperlich: Mir fehlt es an Rumpfstabilität und Kraft in den Armen. Ich bin Läuferin und habe Kraft in den Beinen, aber alles andere: Fehlanzeige. Nicht nur fürs Laufen kann ich mehr Stabilität gut gebrauchen. Wie die meisten sitze ich im Alltag zu viel und brauche einen Ausgleich für den Rücken. Und prompt merke ich unerwartete Nebeneffekte meines Handstand-Trainings: meine Rückenschmerzen sind weg! Ich hatte in den letzten Wochen Schmerzen im unteren Rücken, vom zu langen Sitzen und zu viel Arbeiten. Nur anderthalb Wochen konsequentes Training haben damit Schluss gemacht. Ich freue mich und genieße diese überraschende neue Freiheit. Auch beim Laufen fühle ich mich stabiler, laufe entspannter und es macht einfach mehr Spaß!


bei Sommerhitze und mit vielen anderen Themen im Rücken fiel mir das Training nicht immer leicht

Den Schwung der Gemeinschaft nutzen

Aber natürlich gibt es auch immer Phasen, in denen es schwer wird auf dem Weg zu einem neuen Ziel. Die letzten Wochen waren wahnsinnig heiß mit über 30 Grad und ich hatte viel Arbeit. Sich abends noch zu einer halben Stunden schweißtreibendem Workout überwinden? Wenn die Pizza gemütlich im Bauch liegt und die Couch oder das Bett locken? Ich gebe zu: ich habe es nicht jeden Tag geschafft, mich zu überwinden. Was mir geholfen hat war die Gemeinschaft der Gruppe. Wir tauschen uns online über eine Facebook-Gruppe aus und Kursleiterin Judith beantwortet aufkommende Fragen. Einige Teilnehmer können den Handstand schon, andere suchen Motivation oder teilen ihre Freude über Fortschritte. Das Gefühl, nicht alleine zu sein auf dem Weg zu diesem Ziel gibt wirklich Kraft. Und wenn ich jeden Tag jemanden trainieren sehe, dann fällt es einfach leichter mitzumachen. Und inzwischen habe ich beschlossen: ich trainiere einfach jeden Tag. So muss ich nicht darüber nachdenken ob heute Workout-Tag ist oder nicht. Und wenn es nur eine Viertelstunde ist. Auch wenn ich mich zum Training überwinden muss: hinterher fühlt es sich immer gut an. 😅

So langsam wird's - ich komme meinem Handstand-Ziel näher.

Vertrauen hilft beim lernen

Etwas Neues zu lernen fällt mir deutlich leichter wenn ich jemandem vertrauen kann: dem/der KursleiterIn, einem MentorIn, LehrerIn oder RatgeberIn. Beim Handstand-Kurs ist das für mich besonders einfach: Ich kenne die Kursleiterin Judith aus meiner Schulzeit. Ich weiß, dass sie nicht nur super auf den Händen laufen kann, sondern inzwischen auch eine hervorragende Dozentin ist (die normalerweise Werbetext unterrichtet). Wenn wir jemandem vertrauen, dann fällt es leichter, dem Prozess zu folgen und uns darauf einzulassen. Gerade dann, wenn es einmal Überwindung erfordert. Frei im Handstand stehen kann ich Stand heute noch nicht. Aber unsere Kursleiterin Judith sagt: eigentlich können wir den Handstand schon. Wir müssen es uns nur trauen. Und das stimmt, ich sehe es förmlich, wenn ich mir Videos von meinen Handstand-Versuchen anschaue. Ich drücke mich zurück, etwas in mir verweigert die Vertikale! Es ist eine Frage des "mindsets".


Dranbleiben und Prioritäten ehrlich sortieren

Ich merke: es braucht Geduld und ich muss dran bleiben. "Steady does it", lautet das Motto. Eigentlich sollte ich das wissen, denn beim Lauftraining ist es genauso. Wie bei so vielem anderem im Leben. In kleinen Schritten geht es voran und es hilft enorm, das konkrete Ziel im Auge zu behalten. Je stärker wir die Priorität auf dieses Ziel setzen, desto größer sind unsere Erfolgschancen. Ehrlicherweise muss ich sagen: der Handstand war in den letzten vier Wochen nicht meine Priorität Nummer 1. Und das zeigt sich auch im Training und in meinen Ergebnissen. Nicht immer habe ich richtig konsequent trainiert. Da wäre mehr gegangen. Aber ich hatte in den letzten Wochen wichtigere Prioritäten: meine Kursplanung für VirtuallyThere ist in einer intensiven Phase. Und ich mache mit meiner Familie nach der für uns belastenden Corona-Zeit Urlaub in Osttirol, auf den wir uns lange gefreut haben und den ich auch voll genießen möchte. Und zu viele Nummer 1-Prios funktionieren eben nicht nebeneinander.

Und, Handstand geschafft?

Habe ich es denn nun nach vier Wochen geschafft, auf eigenen Händen zu stehen? Jein! :-) Mein letztes Workout ist nicht so gut gelaufen und ich hatte es schon abgehakt, zumindest an die Wand gelehnt so richtig auf eigenen Händen zu stehen. Aber nach dem Cooldown, ich hatte mich schon umgezogen, da versuchte ich es noch einmal, gebe nochmal allen Schwung und Mut. Und stehe doch tatsächlich meinen Handstand an der Wand! Unglaublich, ich hüpfe vor Freude! Frei stehen kann ich den Handstand noch nicht. Aber ich verliere das Ziel nicht aus den Augen und werde weiter dran bleiben und auch den frei gestandenen Handstand schaffen.


Mir geht es mit dem Handstand genauso wie vielen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die sich auf das Abenteuer Virtual Reality einlassen. Bekomme ich das tatsächlich hin? Ich bin wirklich nicht technisch begabt, höre ich oft. Wo soll ich da anfangen? Virtual Reality in der Psychotherapie einzusetzen ist immer noch nicht verbreitet. Im Gegenteil: es ist ein sehr erklärungsbedürftiges Thema. Aber immer mehr ThereapeutInnen sehen die Vorteile: Virtual Reality ist ein tolles Werkzeug, das mehr Freiheit und zusätzliche Möglichkeiten in der therapeutischen Praxis erschließt, zum Beispiel virtuelle Situationen für einfachere und effektive Expositionen, immersive Entspannungs-Settings für Traumapatienten oder Achtsamkeitstraining für Kinder und Jugendliche.



Und jetzt interessiert mich: Was wolltest Du schon immer mal Neues lernen? Wenn Du jetzt tatsächlich als PsychotherapeutIn neugierig bist auf das Thema Virtual Reality, dann habe ich da etwas für Dich: am 9. Oktober startet unser neuer Kurs "Virtual Reality für Psychotherapeuten". Im Kurs lernst Du praxisnah und in einem flexiblen Online-Format, wie Du virtuelle Umgebungen für wirksame Expositionen einsetzen, Patienten gezielt emotional aktivieren und neue, motivierende Impulse setzen kannst.


Hier findest Du alle weiteren Informationen dazu. Ich freue mich, Dich bald virtuell kennen zu lernen!